Angewandte Kunst

   Neben seiner Tätigkeit als Maler und Grafiker arbeitete Max Wendl während seiner gesamten Schaffenszeit auch im Bereich der angewandten Kunst. Schon 1929 beteiligte er sich mit zahlreichen Entwürfen und Kompositionen an der Deutschen Werkbund-Ausstellung in Köln. Er zeigte hier Spiegel, Intarsien (Holz-Einlegearbeiten), einen Stoffentwurf und Teppiche.
   In den Dreißiger und Vierziger Jahren erhielt Wendl durch Vermittlung Richard Riemerschmids etliche Aufträge, von den im Jahr 1907 gegründeten Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau - unter anderm für die Gestaltung von Stoffmustern, vor allem aber für Insarsien Entwürfe.

   Intarsienentwurf, Musizierende Hirten, um 1937     Intarsienentwurf, Auerochsenjagd, um 1937

   Nachweislich erhalten aus Wendls Intarsienwerk sind lediglich zwei große Arbeiten, zum einen in den Deutschen Werkstätten Hellerau (148 x 180 cm), zum anderen im Neuen Jagdschloss Grillenburg im Tharandter Wald (135 x 300 cm).
Intarsie, Orchesterdarstellung, Ausschnitt aus der Wandintarsie im Besucherzimmer der Deutschen Werkstetten Hellerau, 1939, 60 x 100 cm Intarsie, Hirtendarstellung, Ausschnitt aus der Wandintarsie im Besucherzimmer der Deutschen Werkstetten Hellerau, 1939, 55 x 80 cm    Wendls Intarsienentwürfe waren nicht nur für Wandverkleidungen oder Möbel konzipiert; er schuf auch kleinformatige Bilder in Intarsientechnik – oft mit „ländlichen“ Motiven.
Musikantengruppe mit Putten, 1952, Hinterglas, 34 x 23 cm    In der Nachkriegszeit fertigte er zunächst kleine Hinterglasbilder, welche – durch Tauschhandel – die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Milch und Butter sicherstellen sollten. Leider sind die meisten dieser Kompositionen in Wendls Werkverzeichnis nicht aufgeführt, da sie heute nicht mehr greifbar sind. Als Beispiel für solch kleinformatige Hinterglasarbeiten die humorige „Musikantengruppe mit Putten“ aus dem Jahr 1952, die zum Verkauf bestimmt war. Hier setzte Wendl auch Blattgold ein. Vor dem leuchtend roten Hintergrund setzen sich die mit schwarzem Frack bekleideten Musiker dunkel ab. Nicht nur die begleitenden nackten Putten, von denen einer über der Gruppe schwebend eine Kerze bereithält, verraten den humoristischen, karikierenden Ansatz des Werkes, sondern ebenso die exaltierte Gestik und Mimik der Musizierenden.
   Wie viele Andere seiner Altersstufe war Max Wendl nach dem Zweiten Weltkrieg als figurativ arbeitender Künstler gezwungen, zum „Broterwerb“ vorwiegend im Bereich der angewandten Kunst zu arbeiten. 1947 entwarf Wendl nochmals für die Deutschen Werkstätten Hellerau. Für die Firma seines Schwagers Heinrich Gerg, der sich 1948 mit einem Betrieb OVI für biologischen Obstsaft und Wein selbständig gemacht hatte, fertigte er Designs für Saftflaschen.
Teppich, 1952, 227 x 335 cm   Anfang der Fünfziger Jahre versuchte er, mit dem Entwurf und der Fertigung von Teppichen Einnahmen zu erlangen. Vermutlich schuf er auch Muster für die in der Nachkriegszeit gegründete Firma KIBEK, die ab 1951 auch Teppiche produzierte.
Anhänger, 1947   Darüber hinaus fertigte Wendl Kleinplastiken und, vorwiegend als Geschenk, Schmuck, unter anderem mit miniaturenhaft bemaltem Glas.

Beate Marks-Hanßen, Ulrike Weinert