Biografie

1904
Max Wendl wird am 15. November 1904 in München geboren. Wendl hat eine drei Jahre jüngere Schwester, Franziska (1907-1992). In der Münchner Maxvorstadt (Schwindstraße 3) betreibt der Vater Josef Max Wendl eine Vergolder-Werkstatt. Dieser hat durch seine berufliche Tätigkeit enge Kontakte zur Münchner Künstlerszene, zur Pinakothek und zur Akademie der Künste. Kunden sind unter anderem Franz von Stuck (1863-1928), mit dem er freundschaftlichen Kontakt pflegte, und Richard Riemerschmid (1868-1957).

1918
Wendl verlässt die Gisela-Oberrealschule am Elisabethplatz ohne die Mittlere Reife.

1919-1921
Auf Anraten des Vaters absolviert Max Wendl zunächst eine Glasmalerausbildung in der Bayerischen Hofglasmalerei van Treeck, die ihren Sitz ebenfalls im Haus Schwindstraße 3 hat. Hier erlernt er die verschiedenen Techniken der Glasmalerei.

1921-1926
Wendl studiert an der Kunstgewerbeschule München in der Luisenstraße bei Prof. Richard Riemerschmid.

1922-1929
Wendl ist in den 20er Jahren Mitglied des Singkreises (Teil der Jugendbewegung in München), mit dem er ausgedehnte Wanderungen durch Deutschland unternimmt. Wendl und seine Lebensgefährtin Magdalena Reincke (1903-1990), gen. Lena, Kunsthandwerkerin, eine Freundin seiner Schwester Franziska, verbringen ihre Ferien ab 1925 häufig auf einem Bauernhof in Freundpolz im Allgäu.

1925
Wendl erhält seinen ersten öffentlichen Auftrag; er malt Wandbilder und Fresken für die Volkshochschule im Isartorturm München, die später in der Zeit des Nationalsozialismus übermalt werden. Im Sommer reist er für einige Wochen nach Italien. 14 Kreuzwegstationen (Hinterglas) entstehen.

1926-1931
Max Wendl führt seine künstlerische Ausbildung an den Kölner Werkschulen weiter, nachdem Richard Riemerschmid dort die Direktion übernommen hat. Wendl wird Meisterschüler von Jan Thorn Prikker (1868-1932), der von 1926 bis zu seinem Tod die Klasse für Mosaik, Glasmalerei und Wandbild leitet.

1927
Für die Jahresausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft und Secession im Glaspalast München (1931 abgebrannt) fertigt Wendl zwei großformatige Fresken mit Hirtenmotiven.

1928
Wendl unternimmt eine Studienreise nach Italien. Für die Internationale Presse-Ausstellung (kurz 'Pressa') in Köln schafft der Künstler im Rahmen der Beteiligung von Thorn Prikkers Klasse Fenster in Hinterglastechnik. Diese werden im Empfangsraum des kulturhistorischen Museums präsentiert.

1929
Wendl heiratet Magdalena Reincke; das Paar lebt in Köln-Rodenkirchen. Wendl nimmt mit angewandten Arbeiten, Gemälden und Hinterglasarbeiten an der Deutschen Werkbund-Ausstellung in Köln teil.

1931
Max Wendl beendet sein Studium an den Kölner Werkschulen. Nach einer Reise nach Paris zieht er mit seiner Frau zurück nach München, wo er sich als freischaffender Künstler niederlässt. Im September reist er mit seinem Freund A. Seybold für einige Wochen nach Mallorca (Spanien).

1932
Zum Jahresanfang stellt Wendl im Graphischen Kabinett Günther Franke in München gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden Joseph Mader (1905-1982) und Fritz Müller-Kamphausen (1903-1955) aus. Durch diese Ausstellung erhält er ein Stipendium der Deutschen Akademie in Rom, welches ihm einen Studienaufenthalt in der römischen Villa Massimo ermöglicht. Im Februar bricht er nach Rom auf, wo er bis zum Sommer arbeitet. An der Jahresausstellung der Rom-Stipendiaten (Mai-Juni) nimmt Wendl mit drei Gemälden teil.

1935
Der Künstler entwirft Stoffdekors für die Deutschen Werkstätten Hellerau (DW) in Dresden und nimmt an der Sonderschau Dekorationsstoffe in den Geschäftsräumen der DW in der Prager Straße in Dresden teil.

1936-1940
Es entstehen zahlreiche Intarsienentwürfe für die DW; einige davon werden mehrfach ausgeführt. Besonders umfangreich sind die Aufträge für Großintarsien für das Jagdschloss Grillenburg (1938) und für das Besucherzimmer der DW (1938/39).

1937
Wendl unternimmt eine zweite Reise nach Palma de Mallorca. Der Künstler und seine Frau Lena trennen sich. Seine Arbeit „Jäger im Boot“ wird im Rahmen der NS-Beschlagnahmungsaktion „Entartete Kunst“ aus der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München konfisziert.

1938
Wendl mietet ein altes Bauernhaus in Hub bei Prien am Chiemsee und restauriert dies.

1940-1945
Im April 1940 wird Wendl zum Kriegsdienst eingezogen. Nach seiner Ausbildung in Traunstein (Chiemgau) ist er als Soldat im Kriegseinsatz in Belgien und Frankreich. Es entstehen Hunderte von Aquarellen, Skizzen und Karikaturen. 1941 wird seine Ehe mit Magdalena Reincke geschieden. Ende Juli 1942 reist der Künstler nach Paris. Im Sommer 1943 absolviert er einen siebenwöchigen Offizierskurs in Ottwok/Polen.

1945
Wendl gerät auf dem Rückzug der Wehrmacht in der Nähe von Dormagen in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Spätsommer kehrt er nach Bayern zurück und zieht wieder in sein Haus in Hub.

1946-1951
Es entstehen weitere Intarsien für die Deutschen Werkstätten Hellerau. Max Wendl malt unter anderem kleinformatige Hinterglasbilder, die er bei den Bauern in der Umgebung gegen Lebensmittel eintauscht.

1947
Im Dezember heiratet Max Wendl die Geigerin Annemarie Knapp (geb. 1921).

1951
Wendl beteiligt sich an der Gruppenausstellung „Jüngere Begabungen“ in der Galerie Günther Franke in München.

1955
Wendl erhält den Ersten Preis im Wettbewerb für Glasfenster der Elisabethkirche in Marburg (nicht ausgeführt). Er wird mit Entwurf und Ausführung für Kirchenfenster in St. Johann Baptist in Altlochham bei München beauftragt (ausgeführt 1956).

1956
Wendl entwirft Fenster für die evangelische Kirche St. Konrad in Wasserburg am Inn (Architekt von Werz, Technik: Bleiverglasung).

1957-1958
Max Wendl baut sein eigenes Haus in Hub.

1957-1963
Es folgen zahlreiche Aufträge für die Gestaltung und Ausführung von Kirchenfenstern in verschiedenen Techniken, vor allem durch die Diözese Eichstätt in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Josef Elfinger. Wichtige sind jene für St. Pius (1958) und St. Josef (1963) in Ingolstadt und St. Hedwig (1962) in Markt Berolzheim (Architekt Elfinger, Technik: zerschlagene Gußgläser) sowie Herz-Jesu (1963) in Ingolstadt (Architekt Hans Zitzelsberger, Technik: Bleiverglasung).

1966
Max Wendl lebt als freischaffender Künstler in seinem Haus in Hub bei Prien am Chiemsee.

1970
Wendl zieht sich zunehmend ins Private zurück und arbeitet nur noch gelegentlich.

1974
Die Ehe zwischen Max Wendl und Annemarie Knapp wird geschieden.

1981
Beginn der Partnerschaft mit Irmgard Teply.

1983 und 1984
Werke Max Wendls werden in zwei Ausstellungen in der „Galerie an der Treppe“ in München gezeigt.

1984
Max Wendl stirbt am 15. Dezember in München.

Beate Marks-Hanßen